In Peru stehen Wahlen an, doch obwohl diese bedeutsamen Präsidentschaftswahlen erst 2011 stattfinden, wird schon seit letztem Sommer eifrig darüber berichtet und es vergeht wirklich kein Tag, an dem nicht irgendeine Zeitung etwas dazu kommentiert. Dass diese Wahlen schon zu einem solch frühen Zeitpunkt derartige Medienpräsenz erfahren, ist wohl in erster Linie dem Phänomen des angeblichen “Linksrucks Lateinamerikas” geschuldet, das inzwischen bei jeder anstehenden Wahl zitiert wird. Ob er im kommenden Jahr nun auch das konservativ regierte Peru erfasst, wird sich zeigen. Bisher deutet zumindest vieles darauf hin, dass sich auch in Peru wieder einer der inzwischen für Lateinamerika symptomatisch gewordenen, polarisierenden Wahlkämpfe anbahnen wird. Auf konservativer Seite ist das Bewerberfeld noch recht unüberschaubar, man rechnet jedoch u.a. Keiko Fuijimori, der Tochter des früheren Präsidenten der kürzlich wegen Menschenrechtsverbrechen zu einer langen Haftstrafte verurteilt wurde gute Chancen aus. Auf linker Seite präsentierte sich bisher der mit Venezuelas Präsident Chávez eng in Kontakt stehende Ollanta Humala als Alternative zur neoliberalen Regierung des jetzigen Präsidenten Alan García. Bisher, denn seit kurzem ist eine neue Persönlichkeit auf dem politischen Parkett Perus aufgetaucht, die das Potential haben könnte Humala das Wasser abzugraben und sich bis zur Wahl als die neue linke Alternative Perus durchzusetzen. Continue reading…
Intermisión
Es ist wohl keine Binsenweisheit, dass auch die wahrhaftige Aufarbeitung der Vergangeheit eines Landes nicht nur hehrer Ziele und Absichtserklärungen bedarf, sondern vielmehr eines tatkräftigen Einschreitens für eine umfassende Aufklärung und Aussöhnung. Gerade weil sich solche Prozesse meist über Jahre hinziehen, ist das größte Problem oftmals der fehlende politische Wille die zuvor eifrig geleisteten Versprechungen auch tatsächlich in die Tat umzusetzen. Eben jener politische Wille wird momentan in Peru in Frage gestellt, denn der Staat hat dem Consejo de Reparaciones (CR) zwar nicht offiziell den Geldhahn zugedreht, lässt die finanziellen Mittel momentan aber so spärlich fließen, dass ab November nur noch ein Sechstel der Mitarbeiter seinen Dienst tun kann.
Nicht erst auf Grund der kürzlich bekannt gewordenen venezolanischen Milliardeninvestitionen in russische Waffenkäufe wird auch in der deutschsprachigen Presse derzeit vielfach über den „neuen Rüstungswettlauf in Lateinamerik“ berichtet. Die sich auch in teils hitzig geführten Debatten in Peru bemerkbar machende Aktualität des Themas Aufrüstung in Lateinamerika zum Anlass nehmend, möchte ich diese Intermisión dazu nutzen meine Sichtweise auf die Hintergründe dieser regionalen Aufrüstungstendenzen darzustellen. Continue reading…
Da ich hier in Peru ständig mit irgendwelchen mir bisher unbekannten Ausdrücken, kulinarischen Spezialitäten oder regional- bzw. lokalpolitischen Themen konfrontiert werden, die man so in Deutschland gar nicht wahrnehmen kann, will ich in der Kategorie Intermisión (was in etwa kurze Unterbrechung, bzw. Zwischenbericht bedeuten soll) in unregelmäßigen Abständen immer wieder solche Themen aufgreifen und ein bisschen was darüber berichten. Einerseits weil ich selbst es so auch mehr verinnerliche. Andererseits aber auch weil solche in Europa kaum wahrgenommene Themen ab und an sicher ganz interessant zu lesen sein werden. Als erstes Thema möchte ich den Begriff VRAE aufgreifen. Continue reading…
