Intermisión: Eine linke Alternative in Peru?

Posted by Jona on März 19, 2010
Intermisión, Peru, Politik, Südamerika

In Peru stehen Wahlen an, doch obwohl diese bedeutsamen Präsidentschaftswahlen erst 2011 stattfinden, wird schon seit letztem Sommer eifrig darüber berichtet und es vergeht wirklich kein Tag, an dem nicht irgendeine Zeitung etwas dazu kommentiert. Dass diese Wahlen schon zu einem solch frühen Zeitpunkt derartige Medienpräsenz erfahren, ist wohl in erster Linie dem Phänomen des angeblichen “Linksrucks Lateinamerikas” geschuldet, das inzwischen bei jeder anstehenden Wahl zitiert wird. Ob er im kommenden Jahr nun auch das konservativ regierte Peru erfasst, wird sich  zeigen. Bisher deutet zumindest vieles darauf hin, dass sich auch in Peru wieder einer der inzwischen für Lateinamerika symptomatisch gewordenen, polarisierenden Wahlkämpfe anbahnen wird. Auf konservativer Seite ist das Bewerberfeld noch recht unüberschaubar, man rechnet jedoch u.a. Keiko Fuijimori, der Tochter des früheren Präsidenten der kürzlich wegen Menschenrechtsverbrechen zu einer langen Haftstrafte verurteilt wurde gute Chancen aus. Auf linker Seite präsentierte sich bisher der mit Venezuelas Präsident Chávez eng in Kontakt stehende Ollanta Humala als Alternative zur neoliberalen Regierung des jetzigen Präsidenten Alan García. Bisher, denn seit kurzem ist eine neue Persönlichkeit auf dem politischen Parkett Perus aufgetaucht, die das Potential haben könnte Humala das Wasser abzugraben und sich bis zur Wahl als die neue linke Alternative Perus durchzusetzen.

Peru ist neben Kolumbien eines der wenigen Länder Lateinamerikas das momentan von Konservativen regiert wird und in denen die Linke auf Grund der konfliktreichen Vergangenheit beider Länder nur schwer hat Fuß fassen können. Als Folge des bewaffneten Konflikts in den 80er Jahren hat sich in Peru ein neoliberaler Kurs durchgesetzt der in Marktliberalisierungen die einzige Alternative zu  Gewalt und ökonomischen Problemen sah und der sich schließlich in den 90er Jahren unter Fujimori zu einem konservativen Autoritarismus entwickelte, der jedwede Form politischer Repräsentation zerstörte und keinerlei soziale oder politische Opposition mehr zuließ. Sollte in Peru bei den Wahlen nächstes Jahr also ein linker Präsident an die Macht kommen, wäre das schon ein erstaunliches Ereignis.

Ollanta Humala

Ollanta Humala

Bei den Wahlen 2006 trat erwähnter Ollanta Humala gegen den jetzigen Präsidenten García in der Stichwahl an und unterlag relativ knapp mit 47,35% der Stimmen. Einiges deutet jedoch momentan darauf hin, dass jenes Hoch für Humala bei den kommenden Wahlen nicht mehr zu erreichen ist, denn vielen ist nicht nur seine Nähe zu Chávez suspekt – weshalb er inzwischen auch stets eifrig darauf verweist, er wolle dessen Modell nicht kopieren -, sondern auch sein Auffallen durch öffentliche Beleidigungen anderer Politiker ließen viele an seiner Geeignetheit für das Präsidentamt  zweifeln.

Anspielung auf den Ausverkauf der natürlichen Ressourcen des Landes

Anspielung auf den Ausverkauf der natürlichen Ressourcen des Landes

Im Zusammenhang mit den sozialen Protesten die das Land nun schon seit einigen Jahren immer wieder erschüttern, hat sich unter der Führung des Paters Marco Arana nun eine neue Bewegung mit dem Namen Tierra y Libertad gebildet, die eine zunehmend anti-neoliberale Stimmung im Land aufgreift und mit einem ökologischen Bewusstsein und den Forderungen nach Selbstbestimmung der indigenen Bevölkerungsteile verbindet. Der von Präsident García verordnete, rücksichtslose Raubbau an den im Amazonasgebiet gelegenen natürlichen Ressourcen hatte bereits letzten Jahres in Bagua zu Ausschreitungen mit über 30 Toten geführt.

Marco Arana

Marco Arana

Marco Arana hat zwar bisher noch nicht öffentlich seine Kandidatur angekündigt, die Tatsache jedoch, dass er unmittelbar nach seiner Suspendierung vom Priesteramt auf Grund dessen kirchenrechtlicher Unvereinbarkeit mit seiner politischen Aktivität  öffentlich bekannt  machte, er werde die dadurch gewonnene Zeit nun seinen politischen Aktivitäten widmen, lässt jedoch erwarten, dass diese Bekanntgabe sicherlich bald geschehen wird. Bis sich Arana, der von manchen schon in Anlehnung an die Ähnlichkeiten zum paraguayischen Präsidenten “der peruanische Lugo” genannt wird, dann wirklich als ernst zu nehmender Kandidat mit dem nötigen Rückhalt einer Partei oder Parteienkoalition  für die Wahlen ins Spiel bringen kann, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen. Unzweifelhaft steckt jedoch in der Verbindung der Ressourcenfrage mit der  bisher politisch kaum aufgegriffenen Frage nach der Identität und Repräsentation der indigenen Bevölkerungsgruppen Perus  eine enorme Sprengkraft, die ein populistisch agierender Humala bisher nicht für sich nutzbar machen konnte, welche aber durch ein geschicktes Bündnis lokaler und regionaler Kräfte Arana in den kommenden Monaten mit ein bisschen Glück zu weit größerer Popularität verhelfen dürften.

Schließlich hat sich auch schon im bolivianischen “Krieg des Wassers” gezeigt, dass die Ressourcenfrage der entscheidende Knackpunkt sein kann, an dem den neoliberalen Kräften Südamerikas ihre Grenzen aufgezeigt werden. Vielleicht etabliert sich ja nun auch in Peru, das schließlich zu den südamerikanischen Ländern mit dem höchsten Grad indigener Bevölkerungen gehört, eine bis dato nicht existente ernstzunehmende indigene Bewegung.

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